Böses Google, Gutes Google
Anamnese
Vor ca. einem halben Jahr haben wir mit unserer fabulösen Internetagentur einen Relaunch veröffentlicht. Natürlich aufgebohrtes XHTML mit tiefergelegtem CSS und als Nachbrenner noch ne ordentliche Packung semantisches MarkUp, versteht sich wa! Unter der Haube schlummert nen gieriges Typo3 3.8.1 usw. Schlichtweg: Saubere Arbeit. Der Kunde hatte auf seiner alten Seite so ganz ganz schmutziges Keyword-Stuffing mit schön weißer Schrift auf weißem Grund. Beim Relaunch haben wir da getrost weggeschaut. Irgendwann äußerte der Kunde jedoch, daß er gerne dieses Keyword-Stuffing wieder rein haben möchte, er “würde ja sonst nicht mehr gefunden”. Der Kunde hat diese schmutzige Taktik eigentlich gar nicht nötig. Er wird schon bei ein-zwei Begriffe super gefunden, wonach sich andere Betreiber die Finger lecken würden. Aber gut. Kunde ist König und wir brav schmutziges Keyword-Stuffing eingebaut und gaaaanz clever via CSS versteckt. Und zwar etwas cleverer als “visibility:hidden; display:none;”, so ganz dreist wollten wir’s dann doch nicht machen.
Ausbruch
Zeit geht in’s Land und da man nicht immer an alle seine Projekte denkt, gerät diese schmutzige Angelegenheit irgendwann in Vergessenheit. “Das schlimmste was passieren kann, ist das Google diesen Text ignoriert.” Denkt man sich. Versteckten Text ignoriert Google so oder so. Wer glaubt den aktuellen Weltmacht-Anwärter mit banalen CSS, JavaScript oder Cloaking veräppeln zu können, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ok, aber wie gesagt/gedacht, dann wird’s von Google einfach nicht beachtet. Ein Verstoß aus dem Index passiert eh immer den anderen und es gibt ja auch Anzeichen für den Google-Slow-Death (sorry, keine seriöse Quelle für Erklärung gefunden). Wer rechnet denn damit eine E-Mail direkt von Google zu bekommen. Hallo? Eine E-Mail von Google, vielleicht sogar personalisiert und mit menschlischem Touch. Da bei Google arbeiten doch keine Menschen. Anscheinend schon. Bei unserem besagten Kunden trudelte eine Mail mit dem vielsagenden Betreff “Entfernung Ihrer Webseite aus dem Google Index” in’s Haus.
Hier mal ein Auszug:
Sehr geehrter Seiteninhaber oder Webmaster der Domain [blabla]/, wA¤hrend der Indexierung Ihrer Webseiten mussten wir feststellen, dass auf Ihrer Seite Techniken angewendet werden, die gegen unsere Richtlinien fA¼r Webmaster verstoAYen. Sie kA¶nnen diese Richtlinien unter folgender Webadresse finden: http://www.google.de/webmasters/guidelines.html . Um die QualitA¤t unserer Suchmaschine sicherzustellen, werden wir Ihre Webseiten zeitlich befristet aus unseren Suchergebnissen entfernen. Zur Zeit werden Seiten von [blabla].de/ fA¼r einen Zeitraum von wenigstens 30 Tagen entfernt. Folgende Techniken haben wir in Ihrem Falle auf Ihren Seiten entdeckt: * folgender verborgener Text auf [blabla]/: [..] Gerne wA¼rden wir Ihre Seiten in unserem Index behalten. Wenn Sie daher wA¼nschen, dass Ihre Seiten wieder von uns berA¼cksichtigt werden, korrigieren oder entfernen Sie alle Seiten, die gegen unsere Richtlinien fA¼r Webmaster verstoAYen. Wenn dies erfolgt ist, senden Sie uns bitte einen Antrag auf Wiederaufnahme in unseren Suchindex an: http://www.google.de/support/bin/request.py . Vorgehen: 1. WA¤hlen Sie â€-Ich bin ein Webmaster und habe eine Frage bezA¼glich meiner Webseite" 2. WA¤hlen Sie dann â€-Warum ist meine Webseite aus den Suchergebnissen gefallen oder warum hat sich das Ranking meiner Webseite geA¤ndert?" 3. Klicken Sie â€-Weiterâ€- 4. Geben Sie in der Zeile Betreff â€-Antrag auf Wiederaufnahmeâ€- ein. Mit freundlichen GrA¼AYen, Google Search Quality Team
(Ähh, sorry wegen der verkrüpelten Codierung)
Im ersten Moment dachte ich “Kraaaas, das passiert wirklich”, dann “ach, das is doch nur Verarsche”, “ne, sieht ziemlich echt aus”, “ha, ich bin nicht schuld
”, was ich danach noch gedacht habe verrate ich nicht. Gut, der Kunde hat jetzt definitiv ein Problem. Das Ärgerliche daran ist, dass dieses Keyword-Stuffing praktisch gar keinen nennenswerten Einfluss auf das Ranking gehabt hat und die relevanten Keywords eh durch den regulären Content abgefackelt wurden. Na gut, es gibt ja die Möglichkeit sich mit einem angemessen Budget die 30 Tage via AdWords über Wasser zu halten.
Was lernen wir daraus?
Lügen haben kurze Beine, “Content Counts” und Suchmaschinenoptimierung vom Guten ist einfach nur viel viel Arbeit. Wer schummelt fliegt. Wirklich!
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You’re currently reading “Böses Google, Gutes Google,” an entry on FLAECHE & SCHUB
- Published:
- 05.29.06 / 8pm
- Category:
- Allgemein
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