SEO vom Guten

Die Ereignisse der letzten Zeit (Analytics bei B, Raus aus dem Index und Diskussion) haben mich dazu bewegt mal wieder ein paar grundsätzliche Gedanken an das Thema Suchmaschinenoptimierung zu verschwenden. Vorab sollte das hier einmal kurz definiert werden. (Das hilft vielleicht eher mir als dem Leser….) Unter Suchmaschinenoptimierung (Search-Engine-Optimisation kurz: SEO) versteht man die Platzierung einer Website bei gewünschten Begriffen in einer Suchmaschine an möglichst hohen Positionen. Wenn man SEO betreibt, dann versucht man seine Website in den sog. organischen Ergebnislisten möglichst weit oben zu positionieren. Das sind die Ergebnisse, die die Suchmaschine selbst für relevant hält, hier also ihren grundeigenen Index verwendet.

Neben der SEO Methode gibt es parallel oder vielleicht auch als Konkurrenz zu betrachten das Suchmaschinen-Marketing (Search-Engine-Marketing kurz: SEM). Viele Suchmaschinen bieten es an, neben den regulären (organischen) Ergebnissen auch andere Ergebnisse, besser Anzeigen, zu verkaufen. Das wohl populärste Angebot ist Google AdWords. Das sind diese kleinen netten Anzeigchen auf der linken Seite, wenn man bei Google etwas sucht und inzwischen bei fast jedem halbwegs populären Suchbegriff auftauchen. Bei jedem Klick auf solch eine Anzeige klingelt bei Google die Kasse. Je weiter oben die Anzeige positioniert ist, desto teuer ist der Klick, wobei die jeweiligen Positionen zwischen den Werbetreibenden versteigert werden.

Wir haben also zunächst zwei Methoden um uns in Suchmaschinen zu platzieren. SEM erscheint zunächst sehr einfach allerdings auch recht kostspielig. SEO erfordert wesentlich mehr KnowHow, Zeitaufwand und Geduld also Ausdauer. Das zahlt sich aber IMO langfristig aus.

Im Web, in der Literatur und “beim Kunden auf der Strasse” wird überwiegend bei dieser Differenzierung Schluss gemacht. Das ist ja für den Kunden auch vielleicht genug Input um eine Entscheidung zu treffen.

Wenn man sich selbst jedoch einen Suchmaschinenoptimierer nennen möchte, muss man sich streng genommen entweder für die gute Seite oder die böse Seite der Macht entscheiden. Kleiner Hinweis am Rand: Der Begriff Suchmaschinenoptimierer passt ja eigentlich überhaupt nicht, da man ja nicht eine Suchmaschine optimiert, sondern Websites. Die böse Seite der Macht wird in der Szene/Branche gerne als SEO-BlackHat bezeichnet, die gute Seite hingegen als SEO-WhiteHat. Wenn man wirklich groß und mächtig werden möchte, “so mächtig, wie es Dir nie möglich sein wird”, dann muss man sich früh für eine Seite der Macht entscheiden. Wir kennen diese Geschichte mit den leuchtend bunten Schwertern.

Ok, nach dieser langatmigen Einleitung, versuche ich nun auf den eigentlichen Punkt zu kommen. Ich war mir lange nicht sicher ob ich mich zur guten oder zur bösen Seite zähle möchte. Die böse Seite war verlockend, verspricht sie doch schnelle Resultate und fast grenzenlose Skalierbarkeit. Da schwingt eine gewisse Omnipotenz mit. Man beginnt kleine Lücken zu erkennen, bohrt diese gnadenlos immer weiter auf. Findet neue, weitere Lücken usw. Entwickelt und benutzt Software die einem diesen LifeCycle vereinfacht. Doch irgendwann bemerkt man, dass diese Leute von Google doch nicht ganz so blöd sind. Es werden Löcher gestopft. Eins nach dem anderen und man versteht nicht genau welche das sind und wann das passiert ist. Sollten sich die Ergebnisse verschlechtern, wird man hektisch, ist nicht mehr so dreist, schraubt viele Hähne zu. Das Gefühl der Omnipotenz schwindet und im schlimmsten Fall gibt es keine weiteren Löcher mehr. Ok, im Prinzip funktioniert es alles ganz gut, doch wie lange noch?

Wenn man langfristig qualitativ hochwertige Suchmaschinenoptimierung betreiben möchte, dann bedeutet das, wie eingangs erwähnt, langfristig auch viel Arbeit. Im Grunde muss man einfach nur verstehen wir Suchmaschinen arbeiten und dessen Qualitätsrichtlinien für Webmaster befolgen. Nur wenn das so einfach wäre, wäre jeder Webmaster sein eigener Optimierer. Die Richtlinien und die Methodik einer Suchmaschine müssen interpretiert werden können um genau die Faktoren herauszufinden die mehr oder weniger Erfolg versprechen. Wir sind schon auf der guten Seite der Macht, falls Ihr es noch nicht bemerkt habt und hier geht es recht langweilig und wenig spektakulär zu. Hier geht’s tatsächlich um Arbeit. Ich spreche immer von Arbeit, Arbeit und Ausdauer, doch wie sieht das eigentlich aus?

Der laienhafte Betreiber einer Website, kurz Kunde, hat eine sehr vereinfachte Vorstellung von Suchmaschinenoptimierung. Ich nenne ein paar Stichwörter, bezahle etwas Geld und schon bin ich in Suchmaschinen super gelistet und verdiene damit Geld; hoffentlich mehr als ich investiert habe. Soweit alles super. Da gibt es nur ein paar Probleme. In erster Linie sollte die Website so aufgebaut sein, dass eine Roboter / Crawler / Spider what ever einer Suchmaschine sich dort richtig wohl fühlt. Alle Seiten und dessen Information nach herzenslust in seinen Index übernimmt. In zweiter Linie sollte auf dieser Website auch Informationen vorhanden sein die für die bevorzugten Stichwörter relevant sind. Es ist keineswegs unüblich, dass ein Kunde mit seinen Produkten und Dienstleistungen für ein Stichwort relevant ist, die Website des selbigen aber nicht in der Lage ist die Relevanz zu vermitteln. Weder dem Besucher noch einer Suchmaschine. Spätestens ab hier beginnt der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Beratung.

Ein Arzt fragt seine Patienten wie es ihnen geht. Ein anderer fragt was ihnen fehlt. Wer ist der besser Arzt von beiden? Derjenige der seine Patienten nach ihrem Befinden fragt ist der gute Arzt. Der andere verschreibt nur fleissig Medikamente und arbeitet seine Patienten nach Schema F ab. Bei einem guten und einem schlechten Suchmaschinenoptimierer ist das ähnlich. Ich neige bei Krankheit auch dazu einfach kurz in die Apotheke zu gehen und mir die passende Dröhnung zu hohlen, wobei mein Freund D. eher auf gesunde Ernährung und kleine weiße Kügelchen vertraut. Die Dröhung hilft kurzfristig und lässt einen die Krankheit auch überwinden, doch Heilung oder gar Gesundheit ist was anderes.

Wir entscheiden uns mal exemplarisch für die weißen Kügelchen (ahh, WhiteHat - welch Analogie!) und legen uns eine passende Methode zurecht. Zuerst selektieren und evaluieren wir ein “gutes” Keyword. Wie man das macht würde einen eigenen Post verlangen. Nehmen wir mal an das betreffende Keyword wäre “Supermarkt” (Hi Patrick, ich hab mich mal an Deinem Beispiel bedient, ok?). Die zu optimierende Website ist auch, welch Zufall, die eines Supermarktes. Zumindest würden wir gemeinhin diese Firma als einen Supermarktbetreiber benennen. Diese Firma möchte sich jedoch in keiner Weise als schnöden Supermarkt bezeichnen. Nein, viel besser. Hierbei handelt es sich um ein “Selbstbedienungs-Warenhaus”. Demnach wurden alle Texter der Website entsprechend eingenordet und wir finden unser anvisiertes Keyword nirgends auf der Website. Der aufmerksame Leser hat bereits gemerkt, dass wir hier schon unser erstes Problem haben. Ok, sagt der SEO-BlackHat. Dann fummeln wir uns doch das Keyword irgendwo auf die Seite und machen es für den gemeinen Besucher unsichtbar, einer Suchmaschinen gegenüber hingegen sichtbar. Das war und ist ja auch der Gedanke von Meta-Information. Information über Information mit derer man solchen Ambiguitäten der natürliche Sprache entgegentreten kann. Schade, dass z.Z. Metadaten eine eher geringe Rolle im Web spielen. Wir als “nette Jungs von Nebenan” kämen aber doch nie auf die Idee irgendetwas zu verstecken, zu verschleieren oder gar andere zu hintergehen. Doch was machen wir da? Problem: Keyword muss in den Text der Website - an möglichst prominenter Stelle - damit wir gefunden werden, was der Kunde ja möchte, selbiger jedoch eine Verwendung des Begriffs im regulären Content untersagt.

Die einzige relevante Möglichkeit die uns hier übrig bleibt ist die Verwendung von externen Backlinks auf Themenrelevanten Angeboten. Das funktioniert auch in gewissem Maße recht gut. In diesem Blog steht nirgends mein voller Name. Eine Suche nach meinem Namen bei Google spuckt jedoch als erstes Resultat die URL dieses Blogs aus. Rufen wir also alle Mitbewerber unseres Kunden an und fragen höflich, ob es unter Umständen möglich wäre einen Link von ihrer Website auf die unseres Kunden bzw. ihres Mitbewerbers zu setzen. Das funktioniert sicher spitze. Wir suchen übrigens Studenten mit angenehmer Telefonstimme und hypnotischer Überzeugungskraft ;-) .

Ich bin jetzt hoffentlich an einem Punkt angekommen, an dem sich der Leser nervös mit den Fingern im Gesicht herumfummelt oder tief durchatmet und die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Zumindest ging mir das neulich bei der Diskussion über mehrschichtige - überlappende Annotation mit XML so.

Suchmaschinenoptimierung ist keine Hexerei oder Anwendung zweifelhafter Methoden. Es geht vielmehr darum das gerade beschriebene und viele andere ähnliche Probleme zu lösen. Es gibt dafür eine Reihe von mehr oder weniger guten Lösungsmöglichkeiten. Mir ging es hier darum etwas Licht in die Kontroverse zwischen der “Gelbe Seiten Eintragsmentalität” des Kunden und den fast komplementären Handhabungsmöglichkeiten eines guten SEO-Dienstleisters aufzuzeigen. Wahrscheinlich liegt darin ein Grund für den Erfolg von AdWords begründet - Bedienung von kurzsichtigen, Hauptsache “wir sind oben drin” Bedürfnissen.


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