Drupal vs. TYPO3

Für ein neues Projekt von uns habe ich mir in den letzten Tagen verschiedene CMS und Artverwandte angesehen. Diese ominöse Projekt ist ein kleines Social Network à la openBC u.ä. Nach langem Wälzen von Case Studies und anderen Ressourcen im Web, einem Blog-Post von Benjamin und kurzem E-Mail-Verkehr mit selbigem, hielt ich Drupal für keine schlechte Idee. (Allein das Wort “Drupal” sorgte im Büro jedoch schon für Häme.)
Es gibt bereits eine Extension für TYPO3 die zumindest rudimentär das tut was wir möchten. OK, aber warum das Rad immer wieder neu erfinden. Schließlich verspricht Drupal (fast) alle Features mitzubringen die wir brauchen, die wir im Gegensatz TYPO3 erst noch beibringen müssten. Außerdem macht Drupal in Bezug auf Objektorientierung und Schnelligkeit in der Web 2.0-Feature-Adaption auch einen guten Eindruck.

Also habe ich mich aufgemacht und an einem schönen Samstag Drupal installiert. Die Installation erfolgt auch recht fix und sollte einem Standard-Web-Entwickler leicht von der Hand gehen. Das ist bei einer TYPO3-Installation jedoch nicht anders, wenn der Webserver auch entsprechend fit ist. Der erste störende Moment bei der Drupal-Installation war das händische SetUp des SQL-Schemas und der Datenbankverbindung. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich stelle mich nicht an, wenn ich einen SQL-Import über die Konsole ausführen und eine Datenbankverbindung in einer PHP-Datei ändern zu müssen, aber bitte, das geht doch nun wirklich mit einem kleinen Install-Script viel eleganter. Das kann sogar Wordpress. Ach, und TYPO3 hat übrigens auch ein Install-Tool.

Nach wenigen Minuten war jedenfalls eine standard Drupal-Installation fertig. Nachdem ich mir einen User angelegt hatte, schaute ich mich nach einer deutschen Lokalisierung um. Die gibt es natürlich auch. Die Installation läuft auch ganz praktisch. Zuerst lädt man sich das Sprachpaket herunter, entpackt es lokal, geht dann in den Lokalisierungs-Adminbereich, definiert die neue Sprache, lädt das Languagefile hoch und fertig. Deutsch noch schnell als default definiert und ich hatte ein kleines Erfolgserlebnis. In TYPO3 definiere ich im Backend welche Sprache ich gerne hätte und TYPO3 kümmert sich um den Rest. Das brachte mich dann aber zu einer kleinen Verwunderung. Anscheinend unterscheidet Drupal nicht zwischen Front- und Backend. Zumindest waren alle Texte auf der Website direkt auf deutsch. Was ist denn wenn ich als deutscher eine englische Website verwalten möchte? Ok, diese Möglichkeit gibt es sicher in Drupal. Für eine genaue Beurteilung reichen meine Kenntnisse wohl noch nicht aus.

Der nächste Schritt war ein kleiner Test der Standard-Funktionen. Ich hatte sehr schnell weitere Module aktiviert und konnte praktisch out-of-the-box eine Blogeintrag schreiben, ein Forum einrichten an einer Umfrage teilnehmen und natürlich auch Inhalte verfassen. Pluspunkte für Drupal. Solche Features gibt es zwar in TYPO3, funktionieren aber nicht nach nur zwei-drei Klicks und sind nicht direkt auf Frontend-User abgestimmt. Dieser Drupal eigene starke Fokus auf Community fehlt in TYPO3 an dieser Stelle deutlich. Beim Erstellen von Inhalt hab ich allerdings einen einfachen WYSIWYG-Editor vermisst. Mag aber an meiner Konfiguration (OS X - Firefox) liegen.

Weiter ging es mit der Installation von neuen Modulen. Dazu lädt man sich das Modul zunächst herunter, packt es dann auf den Webserver ins passende dir und kann es dann über das Admin-Interface installieren. Das hat bei meinem konkreten Modul natürlich nicht funktioniert, trotz strikter Befolgung der Doku. Da erinner ich mich gerne an den Extension-Manager von TYPO3…

Mein vorläufiges Fazit:
Sorry Drupal! Mit TYPO3 bin ich jetzt schon seit ein paar Jahren verheiratet und dieser One-Night-Stand mit dir hat mir wieder die Augen geöffnet. Deine Featureliste sieht gut aus. Deine Architektur sieht gut aus, aber “gegessen wird zu Hause”. Ich fühl mich bei TYPO3 einfach wohler, das mag an der Vertrautheit liegen, aber auf viele TYPO3-Features möchte ich einfach nicht verzichten und da sehe ich bei Dir einfach (für mich persönlich) kein Potential. Ich hoffe, daß sich in nächster Zeit mal ein klärendes Gespräch mit Benjamin ergibt, der findet dich ja zur Zeit ganz sympathisch. Bis dahin bleib ich jedoch bei TYPO3…


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