31 Tage offline

Dieses Blog war nun knapp 31 Tage offline. Die Hälfte davon geht auf meine Kappe. Ich hatte schlicht keine Lust mich zu kümmern, weil der Ärger über die restliche Zeit zunächst zu verdauen galt. Hier eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse die meinem alten Bloguntertitel “Eikes schreckliche Geschichten” alle Ehre macht.

Anfang Dezember 2006

Irgendwann Anfang Dezember erhielt ich eine e-Mail in der einer unserer Provider sich für unsere langjährige Treue mit einem Leistungsupdate bedanken wollte. Das ging zuerst spurlos an mir vorüber zumal wir wirklich schon seit fast sieben Jahren Verträge bei diesem Provider haben (/ hatten) und die ursprünglichen Leistungen wirklich ausreichend waren. Gelegentlich reichten die Leistungen jedoch nicht mehr aus, so dass wir im Laufe der Jahre immer wieder ein paar der alten Verträge aufgelöst hatten um zu einem neuen Provider zu wechseln. Die Anzahl der Verträge schrumpfte so auf einige sehr wenige verbliebende. Die Server leisteten jedoch treu Ihre Dienste und waren überaus zuverlässig. Getreu dem Motto “Never change a running System” wurde ein Umzug nur dann gemacht, wenn es wirklich notwenig/sinnvoll war. Die Domain flaeche-schub.de war übrigens auch davon betroffen.
Mit diesem dankenden Treuebonus ging jedoch auch ein Umzug der bestehenden Server auf neue Server einher. Darüber freut man sich im Dezember ja besonders, weil man in diesem Monat ja wirklich nichts bessers zu tun hat als “einfach mal” ein paar Server umzuziehen. Eine Rückfrage beim Provider ob wir nicht einfach auf das Leistungsupdate verzichten könnten und alles beim alten bleiben könnte wurde verneint. Der Grund lag nämlich nicht in der Demonstration eines “Dankeschöns” sondern in einer Vertragskündigung des Providers der Verträge unseres Providers. Alles klar? Nun gut, zumindest wurde mir versichert, dass der Umzug der Domains in der Nacht vom 20. auf den 21.12. “völlig reibungslos” vonstatten gehen würde. Ich ging damals von einem einfachen Nameserverupdate aus und wollte mir den Stress der mit KK-Anträgen verbunden ist nicht antun….

20. Dezember 2006

Alle Server der betreffenden Domains waren umgezogen. Also Dateien, Datenbank, Mail Accounts und was sonst noch anfällt. Wir haben unseren Job getan und warteten nun ab was wie angekündigt so “völlig reibungslos” in der Nacht passieren sollte.

21. Dezember 2006 ca. 9:00-10:00 Uhr

Der Morgen des 21. Dezember war der Anfang meiner persönlichen “Wie kann man sich Weihnachten, das Jahresende und den Snowboardurlaub so richtig schön versauen lassen”-Geschichte. Die betreffenden 20 Server waren allesamt offline. Genau gesagt befanden sich die .de-Domains im TRANSIT. Noch nicht völlig verzweifelt rief ich beim Provider an und erkundigte mich über den Stand der Dinge. Zuerst bekam ich eine recht “verständliche” also “mangelhafte” Erklärung. Ich erklärte dem netten Herrn, dass ich sehr gut über Domaintransfers bescheid wüsste und das er mir bitte die Wahrheit sagen solle. Tatsächlich wurden keine Nameserverupdates sondern KKs gestartet und das die DENIC da “irgendwas verbockt hätte”. Komisch nur, dass kein einziger Domaininhaber je einen KK-Antrag unterschrieben hat. Mir wurde jedoch versichert, dass das “anders mit der DENIC geregelt” wurde und ich nur noch “ein paar Stunden” abwarten müsste.

21. Dezember 2006 ca. 10:00-18:00 Uhr

Wie nicht anders zu erwarten klingelten bei uns die Telefone heiss. Unsere Kunden wollten wissen, warum Ihre Websites nicht zu erreichen wären und warum sie keine E-Mails bekommen und verschicken könnten und vor allem WANN das wieder funktionieren würde. Wir erklärten die Situation und wiesen darauf hin, dass es sich um ein kurzfristiges Problem handeln würde und im Laufe des Tages alles wieder funktionieren würde. Das war schließlich auch die Aussage des Providers. Meine Verärgerung über den Provider war auf den Wert 8 (auf einer Skala von 1-10) angekommen.

21. Dezember 2006 ca. 18:00 Uhr

Ich erhielt einen Rückruf des Providers. Man hätte gemeinsam mit der DENIC eine Lösung gefunden. Ich würde gleich sofort Dokumente zugeschickt, die von den Kunden unterschrieben an die DENIC direkt gefaxt werden sollten. Damit würde sich dann alles erledigen. Diese besagten Dokumente waren ganz schnöde KK-Anträge. Welche große Überraschung dachte ich mir und nachdem allen betreffenden Kunden die Anträge zugefaxt wurden und wir selbigen auch erklären durften was das denn solle, stieg meine Verärgerung auf den Wert 9.

21. Dezember 2006 ca. 18:30 Uhr

Als ich eigentlich Feierabend machen wollte, weil ich ja nun praktisch ohnmächtig war, rief ich noch schnell meine Mails ab. Wenn ich ein schwaches Herz gehabt hätte, wäre ich nach dem Lesen dieser einen Mail wahrscheinlich gestorben. Es war eine Mail vom Provider im Posteingang in der knapp erklärt wurde, dass sich “ein grober Fehler” eingeschlichen hätte. Die auf den Anträgen angegebene Faxnummer sei falsch und nur die folgendende wäre richtig. Nachdem ich natürlich beim Wert 10 angekommen war und die notwendigen Maßnahmen eingeleitet wurden begann ich meine Kontakte nach geeigneten Rechtsanwälten zu durchsuchen.

22. Dezember 2006

An diesem Tag habe ich gelernt, dass der letzte Werktag vor Heilig Abend der wichtigste, entscheidenste und überhaupt DER Tag aller Tage des Jahres in der E-Mail-Kommunikation ist. Kurz gesagt: Alle rasteten total aus. Ich glaube, dass ich am Telefon noch nie so zusammengefaltet wurde. Der ganze Frust wurde bei mir abgeladen und mir bleib nichts anderes übrig als den addierten Frust per Telefon bei meinem Provider abzuladen. Aus “Verärgerung, Wert 10″ wurde “Hass, Wert 5″. Man kann es sich schon denken, die Domains befanden sich noch immer im TRANSIT und die Zeichen auf Sturm. Ich kam aber wieder zur Besinnung und verlagerte meinen Hass auf Motivation. Ich beschloss die Sache nun selbst in die Hand zu nehmen und so lange bei der DENIC anzurufen bis ich jemanden am Telefon hatte, der mir helfen konnte. Inzwischen stellte sich heraus, dass alleinig der Provider die gesamte Schuld trug und die Ausreden dich ich zu hören bekam wurden immer weniger kreativ und kurzweilig. Nachdem ich nun mit gefühlten 100 Mitarbeitern der DENIC gesprochen hatte, hatte ich nun endlich eine Frau am Telefon, die die Anträge auf dem Tisch liegen hatte. Ich konnte es zuerst nicht glauben, aber bei der DENIC gibt es wirklich Menschen mit denen man sprechen kann und die einem wirklich helfen wollen und das auch noch können. Ich erklärte der Dame meine Situation und das sie anscheinend der einzige Mensch der Welt wäre der mir helfe könnte. Sie verstand mich, half mir und gab mir sogar ihre Durchwahl. Bei einer Hochzeit verspüren Eheleute beim Ja-Wort ein ähnliches Gefühl, wie ich nachdem ich den Höhrer aufgelegt hatte.

Die Tage danach…

In den nächsten Stunden / Tagen wurden die Domains umkonnektiert und ich durfte “total entspannt” in den Urlaub fahren. Natürlich war nicht alles erledigt, aber die schlimmste Zeit war überstanden. Nur ein Kollege hielt zwischen Weihnachten und Neujahr die Stellung im Büro. Und ich bin überzeugt, dass derjenige mit den Ausläufern dieser Aktion nicht das größte Vergnügen hatte. Den Schaden konnten wir jedenfalls in Grenzen halten.

In den letzten Tagen habe ich mich vermehrt auf die Suche nach einem geeigneten Rechtsanwalt gemacht und freue mich schon jetzt auf dieses wunderbare Schreiben was wir diesen bis zum Himmel stinkenden Dilletanten von Provider zuschicken werden. Kann mir vielleicht jemand dafür noch einen Tipp geben?

Diese Domain liegt übrigens seit heute bei einem anderen Provider, der sich auf andere Weise für langjährige Treue bedankt…


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